Gassigänger - Freund und Helfer

Gassigaenger

Große Aufregung herrscht im Hundetrakt, wenn die ehrenamtlichen Gassigänger eintrudeln! Die Hunde wissen genau: Jetzt geht´s gleich raus! Nicht nur für das Tierheim sind sie eine enorme Unterstützung, sondern hauptsächlich profitieren die Hunde davon. Doch während der Familienhund seine feste Bezugsperson und Familie hat, die sich um ihn kümmern, so ist es für den Tierheimhund viel komplizierter. Wechselnde Schichten mit unterschiedlichen Menschen, Tierpflegern und Besuchern. Puh, dass ist nicht immer einfach! Sandra Herbst, Trainerin in der Tierheim-Akademie, weiß mehr darüber.

Warum eigentlich Gassigänger werden?

Für den einen oder anderen Freiwilligen ist es d i e Möglichkeit, Zeit mit einem Hund zu verbringen. Oftmals kann der Wunsch nach einer eigenen Fellnase nicht erfüllt werden. Arbeitszeiten, der Alltag oder auch die Wohnsituation lassen den Einzug eines Hundes nicht zu. Natürlich sind auch Hundemenschen dabei, die selbst einen Tierschutzhund haben und wissen wie wichtig dieses Ehrenamt ist. Je nach Größe des Tierheims unterstützen die fleißigen Helfer auch bei der Fütterung, Pflege der Hunde und der Zwingerreinigung. Da werden Feste organisiert und Spenden gesammelt. Ohne die ehrenamtlichen Helfer könnten viele Tierheime nicht existieren.

Ohne Regeln geht´s nicht!

Dabei ist natürlich das A und O, auf die Anweisungen des Tierheimpersonals zu achten und nicht eigenmächtig zu entscheiden. Tierheimregeln und Fütterungspläne werden erstellt, Hinweise zum Verhalten oder der gesundheitlichen Lage sind wichtige Informationen für jeden einzelnen. Schließlich übernimmt mit der Aufnahme eines Tieres die Einrichtung die Verantwortung und die Fürsorge. Im Sinne der Tiere sollten alle an einem Strang ziehen. (Unten findest du ein Beispiel für solche Regeln)

So unterschiedlich wie die Menschen sind auch die Hunde

Vom Welpen bis zum Senior hocken sie in ihren Zwingern und jeder Hund hat seine eigene Geschichte. Oft haben sie nicht gerade gute Erfahrungen mit Menschen, Artgenossen oder Umwelteindrücke gemacht und zum Teil nie eine Erziehung oder Liebe genossen. Da gibt es Hunde mit hohem Aggressionspotential, die Superängstlichen, manche haben gesundheitliche Probleme und es gibt die superfreundlichen Schmusebacken. Wichtig ist deshalb eine kompetente Einschätzung des Hundes, damit jeder sich bewusst ist, was am anderen Ende der Leine ist und wie der Hund unter Umständen reagiert. Auch muss das Personal einteilen, wer zu welchem Hund passt.

Die Gassigänger-Schulung

Sie ist in den meisten Tierheimen Pflicht. Das ist auch sehr sinnvoll, denn das Gassi soll zum Wohle der Hunde nach einer einheitlichen Struktur ablaufen. Eine schriftliche Prüfung ist obligatorisch und dient der Überprüfung und Dokumentation der erworbenen Sachkunde als Gassigänger.
Inhalte sind meist:

  • Körpersprache der Hunde
  • Angst und Stress
  • Beschwichtigung und Deeskalation
  • Aggressionsformen
  • Gefahrenprophylaxe
  • Irrtümer und Missverständnisse Hund/Mensch
  • Bedürfnisse der Hunde
  • Regeln des Tierheims

Die Gassizeit ist Bonuszeit

Die Spaziergänge ermöglichen den Tierheimhunden, raus aus dem Zwinger zu kommen, Bewegung zu haben, schnüffeln, sich lösen zu können und viele genießen auch die Zeit mit den Menschen. Erziehung und Kasernenton haben hier nichts verloren. Auch die eigenen Bedürfnisse und Erwartungen und Trainingsmethoden dürfen den Hunden nicht “übergestülpt” werden. Trainingszeiten gibt es für die Hunde zusätzlich, mit fachkundigen Trainern. Wenn mit der Zeit auch eine Beziehung entsteht, man das Vertrauen des Hundes gewinnt, dann ist das doch das größte Kompliment! Aus einem vorsichtigen Annähern sind schon viele dicke Freundschaften entstanden und so mancher Gassigänger adoptiert “seinen Schützling”. Happy End für beide Seiten!

DANKE

im Namen der Tierheime und der Hunde für die wertvolle Unterstützung! Solange die Tierheime voll sind, ist jeder Gassigänger eine große Hilfe und Bereicherung!

Sandra Herbst

Ein Beispiel, wie Regeln für Gassigänger aussehen können (von Sandra Herbst):

Leitlinien für Gassigänge mit unseren Hunden

Zu unseren Gassizeiten freuen wir uns sehr über nette, verantwortungsbewusste Menschen, die mit einem unserer Schützlinge spazieren gehen möchten und legen großen Wert darauf, dass die Spaziergänge von Mensch und Tier gleichermaßen genossen werden können und ohne unangenehme Folgen bleiben. Ein Gassigang sollte für alle eine erfreuliche und gefahrlose Unternehmung sein, die der physischen und psychischen Gesunderhaltung aller Teilnehmer dient. Daher bitten wir Sie, die folgenden Richtlinien zu beherzigen und um deren Einhaltung!

Aus haftungstechnischen Gründen

  • müssen unsere Gassigänger mindestens 16 Jahre alt sein. Jüngere Kinder können in Begleitung eines Erwachsenen gerne einen Hund ausführen. Erwachsene / Eltern haften in diesem Fall für Minderjährige / ihre Kinder!
  • müssen die Hunde während des Spazierganges unbedingt immer an der Leine bleiben! Wir bitten unsere Gassigänger um einen verantwortungsvollen und vorausschauenden Umgang mit dem vierbeinigen Begleiter, d. h. das Tier zu jeder Zeit unter Kontrolle zu haben und ihn bei Begegnungen mit anderen Vierbeinern, Joggern, Radfahrern, etc. kurz zu halten.
  • fordern wir insbesondere Begleitpersonen von Minderjährigen / Kindern dazu auf, sich nur so weit von Kind und Hund zu entfernen, als dass immer ein unmittelbarer Zugriff auf den Hund stattfinden kann.
  • Der Hund ist nicht an Dritte zu übergeben.

Wir weisen darauf hin, dass unsere Hunde nicht ohne Absprache

  • im Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln transportiert
  • neben dem Fahrrad geführt
  • in öffentlichen Einrichtungen / Lokalitäten verbracht

werden dürfen, da hier kein Versicherungsschutz besteht!

Außerdem bitten wir darum, während den Spaziergängen keine Erziehungsmaßnahmen zu ergreifen, da dies die Hunde verunsichert. Jeder Mensch hat eine andere Art, dem Hund etwas beizubringen, weshalb die Erziehung bitte nur in den Händen der Pfleger oder der zukünftigen Besitzer liegt!

Der Umwelt zu Liebe und aus Rücksicht auf Mitmenschen ist der Hundekot aufzusammeln und die Tüten in Mülltonnen zu entsorgen!

Ein Gassigang sollte die Dauer von 1 Stunde nicht überschreiten, je nach Wetterlage und des Gesundheitszustandes des Hundes kann dieser von unseren Tierpflegerinnen auch kürzer festgelegt werden!

Hinweis zur "Fütterung" während des Gassiganges

Unsere vierbeinigen Bewohner bekommen alle ausreichend Nahrung und auch kleine "Belohnungen" zwischendurch! Einer maßvollen Gabe von kleinen "Leckereien" während des Spazierganges und außerhalb des Tierheimgeländes steht nichts im Wege. Bitte bedenken Sie aber dabei, dass einige unsere Bewohner oft mehrfach am Tage ausgeführt werden und damit auch häufiger "Leckerchen" erhalten! Hier kann die Grenze der Überfütterung und den damit verbundenen, oft schmerzhaften Folgen für den Vierbeiner (Erbrechen, Durchfall, usw.) schnell erreicht sein!

Halten Sie bitte zu den vorgenannten Punkten unbedingt Rücksprache mit unseren Damen vor Ort, da manche unserer Schützlinge besondere Diäten einhalten müssen oder gesundheitlich nur einen kurzen Spaziergang verkraften können!

Bitte teilen Sie uns auch mit, falls Ihnen an Ihrem vierbeinigen "Gassipartner" während des Spaziergangs etwas Ungewöhnliches auffällt bzw. anders erscheint, als üblich (plötzliches Hinken, Durchfall od. Erbrechen). Herzlichen Dank!

Vielen Dank für Ihr Verständnis und viel Freude beim Gassigehen
wünscht das Team des Tierheims


 

Sandra Herbst

 

Sandra Herbst lebt mit ihren 3 Aussies in Besigheim, ca. 25 km nördlich von Stuttgart und ist Inhaberin und Trainerin der mobilen Hundeschule Coach my Humans.

Schwerpunkte der Hundeschule sind neben dem Gruppentraining, das Mindwalk Training, das Zwergerln, Spiel & Spaß sowie Krimigassitouren, ihre Leidenschaft ist Treibball.

Sie arbeitet ehrenamtlich im Tierheim Vaihingen/Enz und betreut und trainiert dort die Hunde.

http://www.coach-my-humans.de

 

Bildquelle: Lara Meiburg Photographie